Das Echokammer Paket

Von Echokammer. LP Jason Arigato/Sad & Slow Songs + LP 4Shades/s.t. + CD Dis*ka/Life through the V. www.echokammer.de.
Spendenempfehlung: mind. 25 €

Seit 20 Jahren ist das Münchner Avantgard-Pop-Label Echokammer unter der Leitung von Produzent und Musiker Albert Pöschl für Überraschungen gut und steht in der deutschen Soundlandschaft einzigartig da.

Das Weisse Pferd-Sänger Federico Sanchez über ARIGATO: »Ausführender Musikproduzent in eigener Sache und aufführender Interpret in einer Person. Keine Studioklette, die aus Mangel an Ideen mit ihrem Inventar verwächst und verklebt. Nein, es gibt nicht viele seiner Art: Jason Arigato gehört zu den Klangkünstlern, die immer wieder neue Stilblüten hochziehen, um die Früchte der Arbeit dann abends auf den Bühnen unserer Vorstellung auszubreiten. Dabei unabhängig sein, sauber bleiben, das ist die first rule. Bleib sauber, Mann! sagte man früher gerne. Doch wie ein Saubermann bleiben, wenn aus der Wolke über einem ständig schwarzer Regen tropft? Jason Arigato hielt an der Losung fest. Und erwidert den Gruß nun mit seinem ersten Solo-Output. Mit einem täglich abgelegten Bekenntnis zu DIY braucht Arigato gewiss einen ähnlich voluminösen Eigenbrotschrank wie ein Ariel Pink, Atlas Sound oder ein Todd Rundgren. Oder es gibt eben eine zweiseitig bestrichene Platte: Auf der einen Seite hören wir Singer/Songwriter Miniaturen, die ganz ohne Beats auskommen, fast nackt sind bis auf Jasons Haut und den Korpus seiner Gitarre. Nur etwas ephemere Atmosphäre, Flageolett, und ein Echo von Lou Reed und John Lennon schwingt und hallt mit. Dann finden wir auf der anderen Seite eine ganz andere Klangwelt vor. Eine Breitwand aus Streichern, Flöten und Tasten, ein satter Bandsound mit Schlagzeug und Pipapo. Und dennoch – und das ist dann die eigentliche Volte – vollzieht Jason gleichzeitig einen Rückzug ins Instrumentale, wird noch ruhiger, verträumter. Das kommt einer dergestalt nie gehörten sonischen Implosion gleich. Mit einem ironischen Abspann fächert Jason schließlich noch einmal die Spuren zu seiner früheren Band „Queen Of Japan“ auf, und verwischt sie gleichzeitig. Jason has just left the building – hören wir nun seine Kunst der Fuge.«

Suzie Trio-Sänger Martin Lickleder zu 4SHADES: »Früher gab es die 3 Shades of Blues, die waren mindestens zu viert (u.a. mit den Acher-Brüdern und Carl Oesterhelt). Nun sind daraus die 4 Shades geworden, und die sind zu dritt. Das fasst den Humor der Band doch schon patent zusammen: Spröde, aber gar nicht blöde! Und gerade so verhält es sich auch mit ihrem ersten Album: Von Ivi Vukelic (Club 2), Albert Pöschl (echokammer) und Martin Rühle (Domhans) gleich ganz charmant-uneinladend mit einem Zwi-bis Trifachen-Instrumental eröffnet, entwickelt es sich jedoch im Folgenden nonchalant zum zart verrumpelten und vertwängten Pop-Album: Schon referenzgesättigte Titel wie „Down and out“ (siehe Bessie Smith), „That’s How Strong My Love Is“ (siehe Otis Redding), „Nothing Like the Sun“ (siehe – nein, nicht Sting: Shakespeare!) und schon gar „Vampire’s Kiss“ oder „Honkytonk“ weisen darauf hin, wie hier nicht bluestrunken herumgefuhrwerkt, sondern bedachtsam und elegant gebündelt wird. Und dann noch diese sexy Ü40-Knabenstimmen, die mit Zeilen wie „I feel a bit like a bum“ oder „I wish I heard voices / I wish I was a telephone“ betören! Wer die 4 Shades hört, gibt den Neid auf die Jugend leichten Herzens auf.«

Das Label zu DIS*KA: »Wenn alle von Krisen sprechen, können es Dis*ka bei ihrem fünften Streich durchaus ruhiger angehen. War der prophetische Vorgänger „Save Our Managers“ (2007) das bislang poppigste Dis*ka-Werk, so ist der aktuelle, nach Berthold Brechts „Verfremdungs-Effekt“ einfach „Life Through The V“ betitelte Streich, deutlich anders gestimmt. Dis*ka setzen diesmal weniger auf im weniger im Studio zusammengefrickelte Tracks, als vielmehr auf Live eingespielte und bei lockeren Jam-Sessions entstandene Songs, die später dezent bearbeitet wurden. Auch die Elektronik wurde etwas reduziert und strickt ihre Fieps-Teppiche nun im schummrigen Hintergrund. Dafür erweitern Dis*ka ihr Instrumentarium mittel Akkordeon, Bongos (eingespielt von FSKs Carl Oesterhelt), Glockenspiel, Marching Drums, Harmonie-Gesang und akustischen Gitarren. Gleichgeblieben ist jedoch ihre (Vor-)Liebe für gefährliches Halb-Mischen ohne festem Boden und haarscharf zwischen allen Stühlen. Diesmal geht es u.a. Balladen und Trinkliedern an den Kragen und wühlen sich Dub-Bässe, Fake-Funk, Electro-Shuffle, Swamp-Blues-Stomper, Kraut-Hypnosen, Digi-Beats und Daddel-Freak-Outs durch die einzelnen Titel. Wie bei Dis*ka nicht anders zu erwarten, tummelt und wuselt sich das alles manchmal auch ganz frech durch einen einzigen Track, nur um bei einem ganz anderen wieder heraus zu kommen.«

Artikelnummer 105

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